
Zahnseide gehört einmal täglich zum Einsatz, am besten abends vor dem Zähneputzen, und sie wird nicht gesägt, sondern an jedem Zahn einzeln in C-Form geführt. Das ist die Kurzfassung. Interessant wird es beim Detail, denn die aktuelle Forschung sagt etwas, das viele überrascht: Interdentalbürsten könnten wirksamer sein als Zahnseide.
Der häufigste Fehler ist, die Seide waagerecht durch den Zwischenraum zu ziehen und wieder herauszunehmen. Damit reinigt man den Kontaktpunkt, aber nicht die Flächen daneben, und genau dort sitzt der Belag.
Die Backenzähne nicht vergessen, auch die Rückseite des letzten Zahns. Dort sammelt sich besonders viel, weil die Stelle beim Putzen regelmäßig übersehen wird.
Die Auswahl im Regal ist größer als nötig. Praktisch relevant sind drei Unterschiede.
| Art | Passt zu | Hinweis |
|---|---|---|
| gewachst | engen Zwischenräumen, Kronenrändern | gleitet leichter, fasert seltener aus |
| ungewachst | normalen Zwischenräumen | quietscht hörbar an sauberen Flächen, nimmt etwas mehr mit |
| Tape oder Band | weiten Zwischenräumen | breiter, deckt mehr Fläche ab |
| Superfloss | Brücken, Implantaten, Zahnspangen | versteiftes Ende zum Einfädeln, aufgerautes Mittelstück |
Ob mit Fluorid, Menthol oder Wachs, spielt für die Reinigungswirkung praktisch keine Rolle. Entscheidend ist, welche Seide du tatsächlich täglich benutzt. Wer mit Sticks oder Halter besser zurechtkommt als mit der Rolle, sollte die nehmen, denn die beste Zahnseide ist die, die zum Einsatz kommt.
Diese Frage ist inzwischen besser beantwortbar als früher, und die Antwort geht nicht zugunsten der Zahnseide aus. Eine Cochrane-Übersicht von Worthington und Kollegen aus dem Jahr 2019 hat verschiedene Hilfsmittel gegen Zahnseide verglichen und kommt zu dem Schluss, dass Interdentalbürsten wirksamer sein könnten als Zahnseide.
Das heißt nicht, dass Zahnseide überflüssig wäre. Es heißt: Wo der Zwischenraum groß genug für eine Interdentalbürste ist, ist sie die bessere Wahl. Sie reinigt mit Borsten statt mit einem glatten Faden, sie erreicht auch leicht konkave Zahnflächen, und sie ist für die meisten einfacher zu handhaben. Zahnseide bleibt gesetzt, wo die Zwischenräume zu eng für jede Bürste sind, und das ist bei vielen Menschen im Frontzahnbereich der Fall.
Die passende Größe der Interdentalbürste bestimmt der Zahnarzt oder die Prophylaxe-Fachkraft. Zu groß verletzt, zu klein reinigt nicht, und die Größen unterscheiden sich innerhalb desselben Gebisses.
Vor dem Zähneputzen. Die Begründung ist einfach: Wer zuerst die Zwischenräume öffnet, sorgt dafür, dass die fluoridhaltige Zahnpasta anschließend auch dort ankommt. Fluorid ist der am besten belegte Einzelfaktor der Kariesvorbeugung, und die Zwischenräume sind die Stellen, an denen Karies besonders häufig beginnt.
Wichtiger als die Reihenfolge ist allerdings die Regelmäßigkeit. Einmal täglich, am besten abends, weil über Nacht weniger Speichel fließt und Beläge dann ungestört arbeiten können. Wer die Zahnseide morgens leichter unterbringt, macht sie morgens.
Am Anfang zwei bis drei Minuten, mit etwas Übung unter einer Minute. Das ist der Punkt, an dem die meisten aufgeben: Die ersten Tage fühlen sich umständlich an, das Zahnfleisch ist empfindlich, und es blutet. Genau diese Blutung ist der Grund, weiterzumachen, denn sie zeigt eine bestehende Entzündung an. Gesundes Zahnfleisch blutet nicht. Nach ein bis zwei Wochen regelmäßiger Reinigung hört es in aller Regel auf.
Bleibt die Blutung länger bestehen oder kommt Schmerz dazu, ist das ein Fall für die Praxis und kein Grund, die Zahnseide wegzulegen.
Eine Munddusche spült Gelöstes heraus und erreicht Stellen, an die kein Faden kommt, etwa unter Brückengliedern. Sie ersetzt die mechanische Reinigung aber nicht: In derselben Cochrane-Übersicht flossen für Mundduschen nur zwei Studien ein, für Interdentalbürsten neun. Die Reihenfolge im Bad lautet deshalb: erst Zahnseide oder Interdentalbürste, dann Zahnbürste, dann Munddusche.
Wer Implantate, Brücken oder eine Zahnspange hat, findet die Besonderheiten unter Munddusche bei Implantaten und Zahnersatz und Zahnpflege mit Zahnspange. Welche Geräte sich lohnen, steht im Mundduschen-Vergleich.
Einmal täglich, am besten abends vor dem Zähneputzen. Häufiger ist nicht schädlich, bringt aber kaum zusätzlichen Nutzen. Entscheidend ist, dass es täglich passiert.
Weil es entzündet ist. Gesundes Zahnfleisch blutet nicht. Die Blutung geht bei regelmäßiger Reinigung meist innerhalb von ein bis zwei Wochen zurück. Hält sie länger an, gehört das abgeklärt.
Vorher. So gelangt das Fluorid aus der Zahnpasta anschließend auch in die gereinigten Zwischenräume. Der Unterschied ist nicht dramatisch, aber er kostet nichts.
Wo der Zwischenraum groß genug ist, spricht die aktuelle Datenlage für die Interdentalbürste. Eine Cochrane-Übersicht von 2019 hält sie für möglicherweise wirksamer als Zahnseide. Bei sehr engen Zwischenräumen bleibt Zahnseide die einzige Option.
Superfloss mit versteiftem Ende, das sich unter Draht oder Brückenglied einfädeln lässt. Das aufgeraute Mittelstück nimmt mehr Belag mit als glatte Seide.
Nein. Sie spült aus und ergänzt, ersetzt die mechanische Reinigung der Zahnzwischenräume aber nicht. Die Evidenzlage für Mundduschen ist deutlich dünner als für Interdentalbürsten.

Vielen Dank für den ausführlichen Artikel zum Thema Zahnseide! Man kann nicht oft genug betonen, wie wichtig die TÄGLICHE Verwendung von Zahnseide ist. Diese sollte übrigens wirklich Abends angewendet werden, aber ganz wichtig - vor dem Zähneputzen, nicht danach! So hat die Zahnpasta die Möglichkeit, in die sauberen Zahnzwischenräume zu gelangen.
Hallo,
ich verstehe immer noch nicht ganz, warum man die Zahnseide hoch und runter und nicht vor- und zurück bewegen sollte.
Wenn ich sie hoch Richtung Zahnfleisch bewege, dann besteht doch die Gefahr, dass ich Essensreste weiter nach oben schiebe und sie so ins Zahnfleisch gelangen oder verstehe ich da was falsch?
Beste Grüße
Hi Erik, du bewegst die Zahnseite hoch und runter, um die Zahnbeläge zu lösen. Du entfernst sie dadurch. Dem Zahnfleisch passiert dabei nichts, wenn du ein bischen aufpasst.